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Alltag

Was Kinder vor der Einschulung können sollten  

Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule ist für die kleinen Schulstarter:innen ein bedeutender Schritt. Nicht nur für sie, sondern auch für die Eltern, die sich für ihren Nachwuchs einen guten Start wünschen. Was sollten Kinder idealerweise zum Einstieg in die Schule mitbringen? Um es vorwegzunehmen: rechnen, lesen oder schreiben können sind es nicht! Anna Isringhausen, stellvertretende Schulleiterin einer Bielefelder Grundschule, über den Schulstart, Vorwissen und den Druck vieler Eltern. 

Was sollten Kinder können, wenn sie eingeschult werden? 

Anna Isringhausen: Das sind die sogenannten Vorläuferfähigkeiten. Kinder sollten einfache Anweisungen verstehen und sich für kurze Zeit konzentrieren können. Auch soziale Fähigkeiten wie Frustrationstoleranz, Impulskontrolle und das Einhalten von Regeln spielen eine Rolle.  Hilfreich ist es, wenn Kinder erste motorische Erfahrungen mitbringen wie zum Beispiel der Umgang mit Schere, Stift oder Kleber. Auch ein kleines Mengenverständnis und bis zehn zählen zu können, ebenso wie den eigenen Namen schreiben können, erleichtern den Einstieg. Wichtig ist aber: Das muss nicht perfekt sein und kann im Vorfeld spielerisch im Alltag passieren.  

Wie kann das dann aussehen? 
Anna Isringhausen: Im Alltag können Kinder kleine Aufgaben übernehmen, etwa den Tisch decken oder ihre Sachen für den Schwimmunterricht selbst organisieren. Auch Spiele eignen sich perfekt für diese Vorläuferfähigkeiten: Die Kinder müssen sitzen bleiben, sich konzentrieren und Regeln einhalten.  

Gibt es Dinge, die Eltern oft zu sehr trainieren oder falsch gewichten? 
Anna Isringhausen: Ja, viele Eltern versuchen schon vor der Einschulung mit dem Kind intensiv Buchstaben zu schreiben, zu lesen oder Rechnen zu üben. Das ist aus schulischer Sicht aber gar nicht notwendig und auch unsere Aufgabe. Außerdem kann es problematisch werden – vor allem dann, wenn Kinder Dinge falsch lernen oder schon vor dem Schulstart Druck erfahren. 

Kann man Kinder auch zu stark vorbereiten? 
Anna Isringhausen: Das kann passieren. Aber, wenn Kinder ständig das Gefühl haben, leisten zu müssen, verlieren sie schlimmstenfalls schon vor der Einschulung die Freude am Lernen. Schule sollte positiv besetzt sein und Neugier wecken, aber auf keinen Fall Stress auslösen. Denn es ist ja auch erst einmal etwas Unbekanntes für das Kind.  

Wie unterschiedlich kommen Kinder heute in die Schule? 
Anna Isringhausen: Die Unterschiede sind groß. Manche Kinder bringen bereits viele Kompetenzen mit, andere haben Schwierigkeiten mit Sprache, Motorik oder Konzentration. Besonders deutlich merkt man, ob Kinder früh gefördert wurden oder eine Kita besucht haben. Deshalb spreche ich mich auch für einen verpflichtenden Kindergartenbesuch ab vier Jahren aus, damit Kinder wichtige sprachliche, soziale und motorische Grundlagen frühzeitig lernen können und der Unterschied in den Kompetenzen nicht so gravierend ist.  
 

Wie erleben Sie die ersten Wochen mit einer neuen ersten Klasse? 
Anna Isringhausen: Die ersten Wochen sind sehr intensiv und häufig wuselig. Viele Kinder müssen sich erst an feste Abläufe, Regeln und die große Gruppe gewöhnen. Deshalb geht es zunächst um ganz grundlegende Dinge: den Arbeitsplatz organisieren, Materialien bereitlegen und zu wissen, wie der Schulalltag funktioniert. Bis sich alle sicher fühlen und angekommen sind, dauert es oft bis zu den Herbstferien. Gerade am Anfang suchen viele Kinder noch Orientierung – etwa indem sie ständig die Aufmerksamkeit der Lehrkraft brauchen oder körperliche Nähe suchen. Umso wichtiger sind deshalb Strukturen und feste Rituale im Schulalltag, damit die Kinder Schritt für Schritt Sicherheit gewinnen. Jedes Kind muss auch seinen Platz in der Klasse finden und alle müssen sich auch erst gegenseitig kennenlernen.  

Die Fragen stellte Fame Bickley 

Im Kindergarten sind die Kinder noch eine weitestgehend freie Gestaltung ihres Tages gewohnt. In der Schule sieht es dann anders aus: Zuhören, am Platz sitzen und Regeln einhalten. Skills, die Kindern den Einstieg in die Schule erleichtern, können auf spielerische Art im Vorfeld in den Alltag eingebaut werden – ohne dass es sich nach Üben anfühlt. Hier ein paar Vorschläge: 

Besonders geeignete Spiele

LÜK-Kasten 
→ logisches Denken, Konzentration, selbstständiges Arbeiten  

Dobble 
→ visuelle Wahrnehmung, Reaktionsfähigkeit, Aufmerksamkeit  

Memory 
→ Merkfähigkeit, Konzentration, visuelles Gedächtnis  

Halli Galli 
→ schnelle Reaktion, Aufmerksamkeit, Mengen erkennen  

Skyjo 
→ Zahlenverständnis, strategisches Denken, Gedächtnis  

Mensch ärgere dich nicht 
→ Regelverständnis, Frustrationstoleranz, soziales Miteinander  

Alltagsnahe Übungen

Tisch decken 
→ Reihenfolgen verstehen, Verantwortung übernehmen, Mengen erfassen  

Eigenen Namen auf Geburtstagskarten schreiben 
→ Feinmotorik, Schreibentwicklung, soziale Kompetenz 

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