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Baby

Gleichberechtigte Partnerschaft

Als Eltern seid ihr ein Team im Wandel

Bald ist es so weit: Ihr werdet eine Familie sein – oder die Familie wird größer. Wie wird es sein? Wie verläuft der Alltag? Vielleicht habt ihr schon geplant, wie Haushalt und Kindererziehung gleichberechtigt aufgeteilt werden können und sollen? Kann paritätische Partnerschaft funktionieren?

„Die allermeisten Eltern möchten eine gleichberechtigte Partnerschaft leben“, weiß Dr. Sabine Diabaté, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung BiB. Sie hat in einem Projekt zum Thema „Familienleitbilder“ geforscht. „Doch ist das Baby dann auf der Welt, machen viele Eltern eine Rolle rückwärts: Die meisten Frauen bleiben dann doch zu Hause und sind mit der Carearbeit beschäftigt. Die Maßstäbe verschieben sich, wenn das Kind da ist, die anfängliche Arbeitsteilung verfestigt sich.“

Rollenbilder im Familienalltag

Die sogenannten „Familienleitbilder“ sind ganz bestimmte Vorstellungen, wie wir Beruf, Kindererziehung und Haushalt paritätisch vereinbaren können. Hier spielen aber auch Vorstellungen unserer Umwelt eine Rolle: Was hält die Gesellschaft für üblich? Was hat sich bewährt? Welche Erwartungen werden an Männer und Frauen gestellt? „Wir haben herausgefunden, dass gerade die finanzielle Absicherung eine große Rolle spielt – und in der aktuellen Zeit der Polykrisen vermutlich noch zunehmen wird“, erklärt Sabine Diabaté. Deshalb sichert dann doch meistens der Vater die Familienfinanzierung ab. „Dennoch hat sich etwas geändert: Viele Väter sind zwar tagsüber unterwegs, sie sind aber im Vergleich zur früheren Vätergeneration häufiger vor dem Abendessen zu Hause, holen ihr Kind von der Kita ab und wollen vor allem auch unter der Woche ein aktiver Papa sein.“ So ist in der Rollenverteilung eine positive Bewegung zu beobachten. Väter spielen in ihrer Freizeit liebevoll mit dem Kind und suchen nach einer Auszeit, die sie dann sinnvoll mit dem Sohn oder der Tochter nutzen.

Erwartungsdruck auf Frauen

Bezogen auf die Mutter heißt das aber auch: Die meisten von ihnen üben einen Beruf in Teilzeit aus, nicht in Vollzeit. „Das Bild der Mutter als Familienmanagerin ist immer noch gültig: Sie übernimmt meistens die gesamte Organisation. Passen die Schuhe noch, ist das Geschenk für den Kindergeburtstag organisiert, was essen wir heute, wann plane ich den Arzttermin, ist die Fahrkarte noch gültig – all diese Aufgaben liegen nach wie vor bei den Müttern.“

Dadurch ist der Erwartungsdruck bei Frauen besonders hoch, denn sie sollen einerseits hingebungsvolle und aufopferungsvolle Mütter sein, die aber andererseits dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. „Die Forschungsergebnisse zeigen aber auch: Die Mutter eines Kleinkinds, die in Vollzeit arbeitet, wird immer noch eher als Rabenmutter angesehen. Es wird infrage gestellt, ob sie eine gute Mutter sein kann.“

Strukturen für eine faire Verteilung

Auf dem Weg hin zu einer gleichberechtigten Partnerschaft ist deshalb die gesamte Gesellschaft gefordert. Carearbeit muss gemacht werden, doch es bedarf einer entsprechenden Wertschätzung. Und die Expertin weiter: „Die Strukturen müssen stimmen, um paritätisch leben zu können. Es beginnt ja schon im Kita-Bereich, wo es einen Fachkräftemangel gibt, und geht weiter bis zur Ganztagsbetreuung.“

Dennoch betont die Expertin: „Alles gleich machen und gleich sein – das halte ich für eine Illusion und auch für nicht notwendig, wenn man in einer paritätischen Partnerschaft leben möchte.“ Wir sollten uns nicht verbiegen. Jeder soll die Fähigkeiten einbringen. Es darf dabei nur kein Machtgefüge, keine Asymmetrie in der Partnerschaft entstehen.“ Deshalb rät sie, immer im Dialog miteinander und aufmerksam zu bleiben und gegebenenfalls „nachjustieren“. „Hier können wir übrigens auch schon Kinder mit einbeziehen und sie fragen, ob sie zufrieden sind, oder was wir als Familie ändern können.“

Denn eines sollten wir bei dem Thema der paritätischen Partnerschaft nicht vergessen: „Bei all diesen Debatten geht es immer um die Bedürfnisse der Eltern. In verschiedenen repräsentativen Befragungen wurden Kinder gefragt, was sie sich von ihren Eltern wünschen. Ihre Antwort: Zeit.“

Eva Rüther

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