Beitragsbild: Ian Taylor/Pexels

Familie

Tag der Zahngesundheit

Gut kauen: Fitnessprogramm für Mund und Magen

Ein knackiger Apfel, eine Gurkenscheibe oder ein Stück Brot. Diese Lebensmittel haben alle etwas gemeinsam: Um sie genießen zu können, müssen sie zunächst gekaut werden!

Der Tag der Zahngesundheit am 25. September richtet den Blick genau darauf, um auf die weitreichende Bedeutung des Kauens für Kinder, aber auch Erwachsene hinzuweisen. Denn Kauen ist weit mehr als nur Nahrung zu zerkleinern.

Gerade im Kindesalter werden die Grundlagen für eine gesunde Mundentwicklung gelegt. Umso wichtiger ist es, Kinder altersentsprechend an unterschiedliche Lebensmittel und das gründliche Kauen zu gewöhnen. Mit den ersten festen Lebensmitteln startet für Kinder ein echtes Fitnessprogramm – für den Mund. Beim Kauen arbeiten Zähne, Kiefer, Lippen, Wangen und vor allem die Zunge eng zusammen. Sie lernen dabei, ihre Bewegungen immer besser aufeinander abzustimmen.
Gleichzeitig erhält der Kiefer wichtige Wachstumsreize, die zu einer gesunden Entwicklung von Kiefer und Gesichtsschädel beitragen können. Je abwechslungsreicher die Konsistenzen der Lebensmittel sind, desto vielfältiger werden Mundmuskulatur, Kaubewegungen und Koordination gefordert.

Was Kauen mit dem Sprechen zu tun hat

Dass Kauen und Sprechen eng zusammenhängen, mag viele Eltern überraschen. Tatsächlich nutzen wir beim Sprechen viele derselben Muskeln wie beim Kauen. Für Laute wie t, d, n, l oder r muss die Zunge den Gaumen oder die Zähne ganz gezielt berühren. Dafür braucht sie Kraft, Beweglichkeit und eine gute Koordination.

Kinder trainieren diese Fähigkeiten mit jeder Mahlzeit. Beim Kauen lernt die Zunge, präzise Bewegungen auszuführen und mit Lippen, Wangen und Kiefer zusammenzuarbeiten – Fähigkeiten, die auch für eine deutliche Aussprache wichtig sind. Deshalb achten Logopäd:innen bei Kindern mit Sprachauffälligkeiten häufig nicht nur auf die Sprache selbst, sondern auch auf Mundmotorik, Schluckmuster und Zungenfunktion.

Gesunde Zähne beginnen beim Kauen

Gründliches Kauen unterstützt die natürlichen Schutzmechanismen im Mund. Wer gründlich kaut, produziert mehr Speichel. Dieser reinigt die Zahnzwischenräume, neutralisiert Säuren und versorgt den Zahnschmelz mit Mineralstoffen wie Kalzium und Phosphat. So können kleine Belastungen des Zahnschmelzes nach dem Essen teilweise wieder ausgeglichen werden. Fachleute sprechen von der sogenannten Remineralisation.

Selbstverständlich ersetzt Kauen nicht das tägliche Zähneputzen. Es unterstützt jedoch die natürlichen Schutzmechanismen im Mund und trägt so zu einer guten Mundgesundheit bei.

Die Verdauung beginnt im Mund

Die Verdauung beginnt nicht erst im Magen, sondern bereits im Mund. Dort wird die Nahrung beim Kauen gründlich zerkleinert und mit Speichel vermischt. Dieser enthält Enzyme, die erste Verdauungsprozesse in Gang setzen. Je besser die Nahrung vorbereitet wird, desto leichter können die weiteren Verdauungsprozesse in Magen und Darm ablaufen.
Gründliches Kauen kann außerdem dazu beitragen, dass Kinder langsamer essen und weniger schlingen. Gleichzeitig erhält das Gehirn mehr Zeit, ein natürliches Sättigungsgefühl wahrzunehmen.

Quetschie oder Apfel?

Quetschies und Smoothies sind praktisch, keine Frage. Doch sie ersetzen keinen Apfel oder eine Karotte. Beim Pürieren bleiben zwar viele Vitamine und Ballaststoffe erhalten, die natürliche Struktur wird jedoch verändert. Das eigentliche Kauen im Mund entfällt weitgehend. Somit fehlen wichtige Entwicklungsreize für Zunge, Kiefer und Mundmuskulatur.

Auch für die Zähne macht es einen Unterschied. Beim Saugen aus einem Quetschie oder beim Trinken eines Smoothies können Fruchtzucker und Fruchtsäuren länger mit den Zähnen in Kontakt bleiben. Gleichzeitig entfällt das intensive Kauen als zusätzlicher Reiz für die Speichelbildung. Ein Apfel regt den Speichelfluss deutlich stärker an, neutralisiert die Menge an Säuren und schützt so den Zahnschmelz.

Vor allem aber erleben Kinder beim Essen unterschiedliche Konsistenzen. Sie beißen ab, kauen, bewegen die Nahrung mit der Zunge und schlucken – so trainieren sie ihren gesamten Mundraum sowie wichtige Fähigkeiten, die sie für das Sprechen, Schlucken und eine gesunde Mundentwicklung brauchen.

Jeder Bissen zählt

Kinder müssen nicht immer alles bis ins Kleinste perfekt zerkauen. Wichtiger ist, dass sie regelmäßig die Möglichkeit bekommen, Lebensmittel ihrem Alter entsprechend mit unterschiedlichen Konsistenzen kennenzulernen. Weiches Obst, gedünstetes Gemüse, Brot, Gurken oder Apfelstücke fördern die Mundmotorik auf ganz natürliche Weise.
Gesunde Ernährung beeinflusst den Zustand unserer Zähne. Aber jeder Bissen ist mehr als nur Nahrung zu sich nehmen. Denn während mit dem Kauen die Verdauung vorbereitet wird, wird im Mund begleitend die Zunge trainiert, die Kaumuskulatur gestärkt, die Zähne geschützt und die Sprachentwicklung unterstützt.

Nachgefragt: Mit einfachen Gewohnheiten im Alltag können Eltern das Kauen ihrer Kinder positiv beeinflussen. Worauf es dabei ankommt, erklärt Dr. Sabine Wagner, Zahnärztin und Beauftragte für zahnärztliche Prävention der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe.

Vorbild sein. Kinder lernen durch Nachahmung. Wer gemeinsam am Tisch sitzt, sich Zeit zum Essen nimmt und selbst genussvoll und gut kaut, vermittelt ganz nebenbei gesunde Gewohnheiten.

Kauen spielerisch fördern. Gemeinsames „Möhrenknacken“, kleine Wettbewerbe wie „Wer kaut seinen Bissen am längsten?“ oder Tieren mit Kaubewegungen – etwa eine Kuh – nachahmen machen Kindern Spaß und trainieren gleichzeitig Lippen, Zunge und Kaumuskulatur. Spiele wie das Kirschkernspucken eignen sich erst für ältere Kinder und sollten stets unter Aufsicht stattfinden.

Abwechslungsreiche Lebensmittel anbieten. Mit unterschiedlichen Konsistenzen.  Nicht jeder Bissen muss perfekt gekaut werden – entscheidend ist, dass Kinder regelmäßig Gelegenheit bekommen, ihre Mundmuskulatur zu fordern. Das kräftigt den gesamten Mundraum und regt den Speichelfluss an, der die Zähne auf natürliche Weise schützt.

Übrigens: Kinder in der gesetzlichen Krankenversicherung können die erste zahnärztliche Vorsorge bereits im 6.-9. Lebensmonat in Anspruch nehmen. Die Kontrolluntersuchungen umfassen die Untersuchung der Mundhöhle, die Einschätzung des individuellen Kariesrisikos, eine Beratung zu zahngesunder Ernährung und Mundhygiene sowie Empfehlungen zum Einsatz fluoridhaltiger Zahnpasta.

Foto: Markus Mielek

Schau gern mal hier vorbei