Eindrücke aus Ländern dieser Welt

Wenn vier eine Weltreise unternehmen, dann können sie was erleben

Weihnachten und Silvester verbringen sie in Australien und feiern wahrscheinlich in Badekleidung am Strand. Seit Juli reisen die Bielefelder Christine Schäfer, Hinrich Schmieta und ihre Kinder Paula und Johann um die Welt (milkids-Ausgabe 4/2015). Ein Besuch im Kreml, die chinesische Mauer und der Besuch in Pekings Kaiserpalast, einst die verbotene Stadt, sind nur einige Highlights der Weltreise. Gereist sind sie mit allen Fortbewegungsmitteln, die man sich vorstellen kann: Flugzeug, Zug, Auto, Bus, Kleintransporter, Boot, Ochsenkarren. Zur Halbzeit berichten sie über besondere Erlebnisse.

In der Marschroutka bis nach Irkutsk

In Sibirien hatten wir das abenteuerliche Vergnügen, in einem Kleinbus zu reisen, Marschroutka genannt. Unser Gefährt war eng, laut und klapperig und sollte uns von Severeobaikalsk am Baikalsee bis nach Irkutsk bringen. Mit 16 Fahrgästen und jeder Menge Gepäck ging es los über holprige Straßen und Schotterpisten. Verkehrsregeln? Fehlanzeige! Es wird gefahren, was das Zeug hält. Nur wenn große Schlaglöcher, umgekippte Bäume, Gesteinsbrocken, tote oder lebende Tiere den Weg einengen, wird gebremst, manchmal auch wegen Nebels oder weil aus dem Nichts heraus alte Freunde auftauchen, mit denen der Fahrer unbedingt auf offener Piste nächtens plaudern muss. Die 800 Kilometer-Tour war anstrengend und dauerte 20 Stunden. Wir werden diese Marschroutka, aber auch die eindrucksvolle Landschaft, noch lange in Erinnerung behalten.

Kühe in der Küche

In der Mongolei waren wir eine Woche lang mit Nomaden unterwegs und haben in Jurten geschlafen, den traditionellen runden Zelten. Unter freiem Himmel leben, in einer unglaublich weiten Landschaft, ist ein besonderes Erlebnis. Die hygienischen Bedingungen waren es auch. Wir haben uns im Fluss gewaschen, die Toilette war ein einfaches Loch in der Erde mit einem Verschlag drum herum aus Plastikplanen, buntem Stoff und unbefestigten Planken. Erschreckend fanden wir, dass in der Steppe überall Müll herumliegt. Dabei ist kilometerweit kein Mensch zu sehen. Gelernt haben wir  zu melken, wie man am besten vom Pferd fällt und man sich nicht wundern darf, wenn Kühe in den offenen Küchenverschlag hereinspazieren. Als Johann sich seinen morgentlichen Milchtee holen wollte, machte es plötzlich Muuh. Kühe sind offenbar neugierig. Und Kälber noch mehr, sie fressen alles an, auch die Wäsche.

Wohnen im Papierhaus

Den September haben wir in Japan verbracht. Die Menschen sind dort unglaublich freundlich. Sie verbeugen sich permanent und wir bekommen täglich kleine Geschenke. Ganz besonders ist unsere Unterkunft: Wir wohnen in einem Papierhaus - ein Haus, wie wir es nicht für möglich gehalten haben. Es scheint aus unendlich vielen verschiebbaren Türen zu bestehen, die Wände sind aus Papier und dunklem Holz. Wir kommen uns vor wie in einem alten japanischen Film und leben in Bildern, die wir sonst nur aus dem Fernsehen kennen. Ein cooles Gefühl.

Fußballfreunde

In Japan konnte Paula auch endlich wieder Fußball spielen, ihr geliebtes Hobby. Nette Menschen verschafften ihr einen Kontakt zu einer Mädchen-Mannschaft. Der freundliche Herr Sakamoto, ein großer Borussia Dortmund Fan, fuhr sie sogar regelmäßig 13 Kilometer mit dem Auto zum Training. In den USA hätten Nachbarn ihm auch geholfen, sein Hobby zu pflegen, erklärt der Fußballfan. Jetzt wolle er das Gleiche für Paula tun. Fußballfreundschaft eben.

Fremdes Essen

Genial finden wir Sojaschoten, die drei Minuten in Salzwasser gekocht werden. In Japan lutscht man die Bohnen direkt aus der Schote, das schmeckt wunderbar. Wenn wir wieder in Deutschland sind, wollen wir Sojabohnen anbauen. Sehr lecker finden wir auch Algen-Fisch-Chips, Kaki-Früchte oder Lotuswurzeln. Aber manchmal vermissen wir deutsches Essen. Pommes-rot-weiß oder Currywurst! Käse, Butter und gutes Brot!

Fremde Schule

Während der Reise ziehen Paula und Johann ihr Schulprogramm durch, doch lernen ohne den Klassenverband ist gar nicht so einfach. Da war der Besuch von Johann in der 6. Klasse der Onishi Elementary School in Japan eine schöne Abwechslung. Die Kinder tragen eine Schuluniform: kurze blaue Hose und weißes Hemd. Im Schulgebäude haben sie weiße Schlappen an. Und sie bedanken sich nach jeder Stunde beim Lehrer für den Unterricht. Schule in Japan ist definitiv anders als in Deutschland.  

Was uns beeindruckt . . .

. . . ist die große Gastfreundschaft, die wir erfahren haben. In Russland gab es kaum einen Tag, an dem wir nicht auf eine Datscha eingeladen wurden und Schaschlik, Gurken, Pilze, Tomaten, Tee, Kuchen und Kekse angeboten bekamen, manchmal auch europäische Gemüsesuppe (ohne große Stücke und Fleisch), gefolgt von Gurkensalat, gebratener Wurst und Zucchinipfannkuchen. Dazu ein Frühstücks-Cognac, der aber nicht auf das Frühstück beschränkt bleibt.

Was uns bedrückt . . .

. . . ist, wie stark Luft und Wasser in Ländern wie China, der Mongolei und Russland verschmutzt sind! Das Wasser zum Trinken oder Zähneputzen müssen wir auf unserer Reise meistens abkochen. Das ist mühsam, gerade weil wir oft in einfachen Unterkünften und Hostels wohnen. In Beijing und Ulan-Baatar stockte uns manchmal der Atem wegen des Smogs. Uns wird klar, was für ein Luxus sauberes Wasser und saubere Luft in Deutschland sind.