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Auf die Plätze, fertig, Kita!

Bedürfnisorientierte Eingewöhnung legt die Basis für eine schöne Kindergartenzeit

Jedes Jahr im Sommer beginnt für viele Kinder ein neuer Lebensabschnitt: Sie starten in der Kita. Oft ist das – sowohl für die Kleinen als auch deren Eltern – eine emotionale Zeit, denn vieles ist neu und ungewohnt: Räumlichkeiten, Tagesablauf, Betreuungspersonen. Das kann aufregend und herausfordernd sein. Gut also, dass eine behutsame, bedürfnisorientierte Eingewöhnung mittlerweile die Regel ist. Auf diese Weise wird die Basis für eine schöne Kindergartenzeit gelegt.

Wie also gehen Kitas vor, wenn nach den Sommerferien neue Kinder in die Einrichtungen kommen? In Deutschland gibt es zwei gängige Arten der Eingewöhnung: Das Berliner und das Münchner Modell. Ersteres rechnet mit circa zwei bis vier Wochen Eingewöhnungszeit, während letzteres fünf bis sechs Wochen veranschlagt. Beide Modelle legen Wert auf eine schrittweise Eingewöhnung – allen Beteiligten wird Zeit eingeräumt, eine Beziehung zueinander aufzubauen, sodass zwischen Kind, pädagogischer Fachkraft und Eltern ein Dreiecksgeflecht entsteht.

Beim Berliner Modell hält sich die Bezugsperson eher im Hintergrund, die Erzieherin oder der Erzieher geht aktiv auf das Kind zu und macht beispielsweise Spielangebote. Diese Rolle übernehmen beim Münchner Modell stärker die Kinder aus der Gruppe. Hier erfolgt ein erster Trennungsversuch von der Bezugsperson nach zwei Wochen, beim Berliner Modell steht dieser am vierten Tag an. Wie eine Kita bei der Eingewöhnung vorgeht, können Eltern bei Infoterminen während der Kita-Suche erfragen. Häufig wird auch nicht strikt nach nur einem Modell verfahren.

So wie in der Falkenkita in Bielefeld. Hier arbeiten die Erzieherinnen in Anlehnung an das Berliner Modell, doch sie sind überzeugt: Jede Kita pickt sich die Bausteine heraus, die sie sinnvoll findet und die sich bewährt haben. Wichtig sei vor allem: Individuell auf das Kind einzugehen. Was braucht und möchte speziell dieses Kind? So kann es dann auch vorkommen, dass eine Eingewöhnung mal drei bis vier Monate dauert – und eine andere nur ein paar Stunden. „Das sind aber absolute Ausnahmen“, betont Yonca Sezen, Leiterin der Falkenkita: „Wir empfehlen den Eltern immer, sich ein bis zwei Wochen Zeit zu nehmen und danach unbedingt einen Puffer einzuplanen.“ Falls sie selbst dann schon wieder arbeiten müssen, könnten auch andere enge Bezugspersonen des Kindes, zum Beispiel Großeltern oder befreundete Personen, die Eingewöhnung begleiten.

Das Kind hat nun stundenweise einige Tage in der Kita verbracht, der erste Trennungsversuch steht an. Wie sollte sich die Bezugsperson dabei verhalten? Was tun, wenn das Kind anfängt zu weinen? Zunächst einmal: Laut der Bindungstheorie von John Bowlby und Mary Ainsworth, auf die beide Eingewöhnungsmodelle fußen, ist das Weinen eines Kindes bei der Trennung ein Zeichen für eine sichere Bindung. Auf jeden Fall sollten Eltern sich kurz verabschieden, anstatt sich heimlich davonzustehlen. Hilfreich ist, dem Kind zu signalisieren, dass die Kita ein toller Ort ist und dass sie gleich wieder kommen. Die erste Trennung sollte maximal 30 Minuten dauern – falls das Kind untröstlich ist, wird das Elternteil früher zurückgeholt. Wichtig sei aber, so die Erzieherin, dass die Bezugsperson es auch versucht, sich vom Kind zu lösen, selbst wenn es weint. „Wir wissen, wie schwer das fällt, aber wir sagen auf jeden Fall Bescheid, wenn es nicht geht.“ Darauf könnten sich die Eltern laut Sezen im weiteren Verlauf der Eingewöhnung oder auch im späteren Kita-Alltag verlassen.

Und: Eltern sollten auf die Erfahrung und Expertise der pädagogischen Fachkräfte vertrauen. „Ohne solch einen Vertrauensvorschuss funktioniert es nicht. Den brauchen wir, damit eine Eingewöhnung gelingt“, betont Yonca Sezen, die seit über 20 Jahren als Erzieherin arbeitet. Auch das Verhalten der Bezugspersonen beeinflusse mitunter die Eingewöhnung: „Es kommt darauf an, wie aufgeschlossen die Eltern sind. Wenn diese sich unwohl fühlen, merkt das auch das Kind und die Eingewöhnung klappt meist nicht so gut.“ In solch einem Fall, aber auch generell, ist es wichtig, Probleme und Befindlichkeiten offen anzusprechen.

Hat das Kind zum Beispiel vor Aufregung schlecht geschlafen und ist entsprechend müde, sollten die Erzieherinnen das wissen. Kommen Eltern und Kita so in einen intensiven Austausch, bei dem die Bedürfnisse des Kindes im Mittelpunkt stehen, kann das zu einer gelungenen Eingewöhnung beitragen. Die Fachkräfte lernen so das Kind noch besser kennen und können den Eltern dann auch eher mal die eine oder andere Sorge nehmen.

Ein Faktor, der die Eingewöhnung beeinflusst ist beispielsweise das Alter des Kindes. „Hier in der Falkenkita haben wir beobachtet, dass jüngere Kinder oft schneller eingewöhnt sind“, erzählt Sezen, „obwohl es natürlich auch Ausnahmen gibt.“ Und ist das Kind es bereits gewohnt, fremdbetreut zu werden? Und eine Rolle spielt auch, ob die Erzieherinnen bzw. die Einrichtung dem Kind bereits vertraut sind, weil Bruder oder Schwester die Kita besuchen.

Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn das Kind eine Bindung zu einer Erzieherin entwickelt hat, sich von dieser trösten lässt und zu ihr kommt, wenn es Hilfe braucht oder Geborgenheit sucht. Auch  wenn es den Raum zum Spielen erweitert und anfängt, die ganze Kita zu erkunden und sich traut, auf andere Kinder zuzugehen - dann lautet das Motto morgens oft freudig: Los, auf zur Kita!

Elena Berz

Das können Eltern tun, um ihre Kinder auf die Kita vorzubereiten

  • In Zeiten von Corona wahrscheinlich nicht überall möglich, aber normalerweise bieten Kitas sogenannte Kontaktbesuche vor dem eigentlichen Start an: Das Kind besucht dann mit seiner Bezugsperson schon ein bis zwei Vormittage die Kita, lernt Kinder und Erzieherinnen kennen, kann in den Räumlichkeiten spielen. So ist die Kita bei der Eingewöhnung dann kein völlig unbekanntes Terrain mehr.
  • Aktuell kann man stattdessen ab und zu schon mal bei der Kita vorbeigehen, sodass dem Kind Gebäude und eventuell auch das Außengelände zumindest von außen vertraut sind.
  • Es gibt viele Bücher, die sich mit dem Kitabeginn befassen. Das Kind erfährt so beispielsweise, wie ein Tag in der Kita abläuft.
  • Mit dem Kind über die Kita und den baldigen Start sprechen, Vorfreude und Neugierde wecken, Fragen beantworten, gegebenenfalls auch von eigenen schönen Kindergarten-Erlebnissen erzählen.
  • Das Kind schon mal stundenweise zum Beispiel von Oma oder Opa betreuen lassen. Kleine Trennungen sind dann nicht vollkommen ungewohnt.

Das können Eltern tun, um ihre Kinder auf die Schule vorzubereiten

Auch für die zukünftigen Schulkinder sind die Sommermonate eine aufregende Zeit. Tipps für einen guten Schulstart:

  • Wenn möglich, Gelegenheiten nutzen, die Schule und etwaige Mitschülerinnen und Mitschüler kennenzulernen, zum Beispiel bei einem Schnuppernachmittag.
  • Manche Schulhöfe sind nachmittags zum Spielen geöffnet – eine gute Gelegenheit, sich mit den Örtlichkeiten ohne Druck vertraut zu machen.
  • Soll der Schulweg später ohne Eltern zurückgelegt werden, können Familien ihn nun bereits gemeinsam üben. Wenn das Kind zeigen kann, wie gut es den Weg schon kennt, stärkt das sein Selbstvertrauen und die Übung fördert auf lange Sicht seine Selbstständigkeit.
  • Die Liste mit Materialien, die das Kind beim Schulstart braucht, ist lang: Stifte, Tuschkasten, Mappen, Sportkleidung… Die Sachen gemeinsam zu besorgen, macht mehr Spaß, bindet das Kind ein und weckt hoffentlich die Vorfreude, sie bald zu benutzen.
  • Ob ein fester Platz am Küchentisch oder ein eigener Schreibtisch fürs Kinderzimmer: Das Kind braucht einen Arbeitsplatz, an dem es rechnen, schreiben und lesen lernen kann.
  • Mit dem Kind ehrlich über die Schule sprechen, ohne dabei Druck aufzubauen. Sorgen und Ängste ernstnehmen und darüber reden, ohne sie weg- oder schönreden zu wollen.
  • Dem Kind vermitteln, dass das, was es in der Schule lernen wird, sinnvoll ist und es dieses im Alltag anwenden kann – zum Beispiel lesen und rechnen, wenn es allein einkaufen gehen darf.