Auf ins Museum

Auf eigene Faust oder in der Gruppe Spannendes aus Kunst, Natur und Technik erfahren

Was unternehmen mit der Familie, wenn die Decke zu Hause auf den Kopf fällt? Wie wäre es mit einem Ausflug ins Museum?

Museen sind keineswegs tot – ein Haus für alte Knochen, kaputte Vasen oder schwere Gemälde. Eigentlich erzählen sie spannende Geschichten. Doch diese sind dem Betrachter oft nicht bekannt und dieser Schatz muss erst gehoben werden. „Als ich Kind war, fand ich Museen auch blöd. Heute sehe ich das anders. Es hat sich zum Glück viel getan“, meint Karin, zweifache Mutter. So ein Angebot wie die offene Runde im Marta Herford gab es in ihren Kindheitstagen nicht. Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat können Eltern mit ihren Kindern zeichnen, gestalten, spielen, experimentieren. Die Teilnahme ist kostenfrei. Man muss sich auch nicht anmelden. Alles ganz unverbindlich und niederschwellig.

Die Museen haben erkannt, dass ihre Besucher unterschiedliche Zielgruppen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen sind, die es in der Museumsarbeit zu berücksichtigen gilt. Museumspädagogen sind Vermittler, auch Animateure, sie bringen Exponate ein Stück weit zum Sprechen, verdeutlichen Zusammenhänge. Lilian Wohnhas ist im Museum Peter August Böckstiegel in Werther zuständig für die Kunstvermittlung: „Bei Gruppenführungen fragen wir im Vorfeld ganz viel, um zu erfahren, was wir voraussetzen können und was nicht.“ Nicht abgehoben, sondern besucherorientiert, bei aller Begeisterung für das eigene Haus. Keine leichte Aufgabe.

Mit unterschiedlichsten Projekten werden die unterschiedlichsten Zielgruppen wie Kinder und Familien angesprochen: Kindergeburtstage im Museum sind längst Standard. Formate wie Führungen mit Kinderwagen, zu denen auch Babygeschrei dazu gehört oder Familienführungen, bei denen Groß und Klein Neues erfahren und erleben, sind auch nicht mehr selten. Wer auf eigene Faust das Museum erkunden möchte, für den halten die Museen auch Mitmachkoffer bereit oder Apps lotsen zu den Exponaten wie im Naturkundemuseum des Lippischen Landesmuseums Detmold. Dort wie im Historischen Museum Bielefeld sind auch Angebote wie die Taschenlampenführungen sehr gefragt. Das Museum in ganz anderem Licht zu erleben, hat seine Reize. Im ältesten Naturkundemuseum NRW begegnen die Besucher Exoten aus Savanne, Regenwald und Polarkreis. Tierisch gut! 

Besucher wollen nicht im klassischen Sinn belehrt werden

„Nicht anfassen, nicht laut und vorsichtig sein, Museen sind oftmals mit Verboten belegt. Diese versuchen wir durch unsere Angebote ein Stück weit zu entkräften“, erklärt Lilian Wohnhas: „Bei uns dürfen die Kinder wie damals an diesem Ort üblich auch mal in Holzpantinen umherlaufen.“ Neben dem Elternhaus des Malers Böckstiegel ist jüngst im Garten ein neues Haus für Kunst mit Café eröffnet worden. „Unser Museum soll man als lebendigen Ort erleben, wo man sich Bilder anschauen, Kuchen essen, unterschiedliche Architektur und Natur erleben kann“, so die Museologin.       

„Oh ja, es hat sich ganz, ganz viel getan“, bestätigt Silvia Herrmann vom Weserrenaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo. In das altehrwürdige Gebäude aus der Zeit der Weserrenaissance ist mit der Wiedereröffnung nach umfangreichen Renovierungsarbeiten nicht nur frische Farbe, sondern auch ein frischer Wind gekommen. „Wir  wollen, dass die Besucher eine schöne Zeit bei uns verbringen. Sie sollen das Museum als einen Ort erleben, wo etwas passiert.“ Und das trifft genau, was Besucher sich wünschen. Denn ob jemand ins Museum geht und - noch wichtiger - gerne wieder kommt - wird auch nach dem Unterhaltungswert entschieden. Besucher möchten durchaus etwas mitnehmen an Wissen und Eindrücken, aber sie wollen nicht im klassischen Sinn belehrt werden.

„Etwas selber tun, damit es im Kopf und im Herzen bleibt“, erklärt Silvia Herrmann sei das Ziel. In Lemgo können  Kinder Brücken bauen, Parfum herstellen, eine Riechorgel und die Pestmaske rufen große Verwunderung hervor. „Die Renaissance ist eine ganz, ganz spannende Zeit.“ Die Besucher, insbesondere die Kinder, haben auch großen Spaß daran, sich zu verkleiden, schlüpfen in historische Kleider, werden Teil eines Kunstwerks und fühlen sich wie Königs. 

Die Museumslandschaft in der Region ist bunt. Einfach mal hingehen, mitmachen, erleben. 

                                                                                                            Susanne Esser

In der Region gibt es eine Reihe von unterschiedlichsten Museen. Hier eine Auswahl mit Angeboten für Familien und Kinder

Museen mit volkskundlichem, heimatkundlichem Schwerpunkt
Freilichtmuseum Detmold, Bauernhausmuseum Bielefeld,  Werburg Museum Spenge

Kunstmuseum
Kunsthalle Bielefeld, Marta Herford oder das August Böckstiegel Museum Werther

Naturkundliche Museen
Naturkundemuseum Bielefeld, Naturkundemuseum  Detmold    

Naturwissenschaftliche und technische Museen
BesucherBergwerk Kleinenbremen, Heinz Nixdorf MuseumsForum, Museum Wäschefabrik, Ziegeleimuseum Lage   

Historische und archäologische Museen
Historisches Museum Bielefeld, Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen 

Schloß- und Burgmuseen
Weserrenaissance Museum Schloss Brake, Museum Schloss Fürstenberg, Kloster Dalheim   

Eine umfassende Übersicht über die Museumslandschaft in Ostwestfalen-Lippe befindet sich auf

www.museumsinitiative-owl.de