Keine Landeier

Mitten in Bielefeld hält Familie Strunz in ihrem Garten Hühner als Haustiere
 
Kokoschka, Berta, Thea, Lola, Floh und Polly zog es in die Stadt. Während die meisten ihrer Artgenossen nach wie vor ausgesprochene Landeier sind, leben die sechs Damen in Biele-Feld. Fußläufig zur Innenstadt, aber dennoch im Grünen bewohnen sie ein schmuckes Holzhaus im Garten von Familie Strunz im Westen der Stadt. Bei den Sechsen handelt es sich um Hühner der Rasse Zwerg Wyandotten, eine gar nicht so kleine, aber zahme und robuste Art. Die Kinder wollten ursprünglich einen Hund als Haustier. „Doch ein Hund beansprucht viel Zeit und Aufmerksamkeit. Durch Schule und Berufstätigkeit wäre er oft allein gewesen“, erklärt Mutter Anne, weswegen man sich schließlich dagegen entschieden habe. Bei Freunden dann sind sie vom Hund aufs Huhn gekommen.

Nun haben Carla (15), Philipp (13) und Julia (11) jeweils zwei gefiederte Freunde und die Familie beste Bioeier. „Das ist doch wunderbar auch noch belohnt zu werden. Ich habe schon ewig lange keine Eier mehr gekauft“, so Anne Strunz. „Die schmecken richtig lecker“, schwärmt Carla. Auch im Bekannten- und Freundeskreis weiß man die Qualität zu schätzen, denn die Eier sind beliebte Mitbringsel. Jeden zweiten Tag werden die fünf Familienmitglieder mit Nachschub versorgt. Und da ist auch die Freude bei den Hennen selbst sehr groß. Denn jedes Mal wird freudig gegackert.   
 
Ein Huhn als Haustier. Hühnerhaltung in der Stadt. Klingt zunächst einmal ungewöhnlich. Ist aber auf jeden Fall gut machbar. Und es finden immer mehr Menschen Gefallen daran, Hühner zu halten. Viele umweltbewusste Stadtbewohner pflegen einen ökologischen Lebensstil. Stichwort: Urban Gardening. „Viele haben ein Haustier, aber nur wenige ein Huhn“, sagt Philipp und seine Schwester Julia schmiegt sich an Kokoschka. Ihr Huhn war von Anfang an ganz zutraulich. Hühner sind durchaus perfekte Haustiere: Sie sind anhänglich und verschmust, sind nicht übermäßig anspruchsvoll, benötigen je nach Größe und Anzahl wenig Platz, halten Siesta, machen sich über die Biotonne her und sind nicht sehr laut. „Wir haben nur Hennen, keinen Hahn, der in aller Früh schon Rabatz macht“, so die Mutter.
 
Das Areal des lieben Federviehs liegt im Garten in zweiter Reihe eingezäunt hinter dem Gartenhaus. Das Haus der WG, in das sich die Hühner – sobald es dunkel wird - von selbst  zurückziehen, ist gar nicht so klein. Im Innern eine Sitzstange, auf der sie sich gerne aneinander kuscheln, Platz für die Eiablage sowie Futter und frisches Wasser. Ein großes Fenster mit Klappläden flutet es mit Licht.  „Wir haben ein Kinderspielhaus gekauft, damit wir uns auch einigermaßen darin bewegen können. Das erleichtert uns die Stallpflege.“ Die Hege und Pflege der Tiere und des „Hühnerhofs“ ist ein Familienprojekt und gehört auch zu den Aufgaben der Kinder. „Zwei sind jeden Tag am vor Ort.“
      
Vor ihrer Haustür können die Hennen ihr Staubbad zur Gefiederpflege nehmen. Ihr Areal ist eingezäunt zum eigenen Wohl und dem des Familiengartens. Denn Scharren und die Erde nach Würmern und Insekten absuchen ist ihnen nun mal angeboren. Die Beete und Rabatten wären schnell gepflügt. Doch Familie Strunz genießt durchaus die Gesellschaft ihrer Hühner, besucht sie gerne auf ihrem „Hof“ oder öffnet ihnen das Tor zum Garten. Im Sommer zum Beispiel, wenn sie draußen frühstücken – mit frischem, leckerem Rührei von Kokoschka, Berta, Thea, Lola, Floh und Polly.  

Susanne Esser


Foto: Katrin Biller