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Gut für die Sinne und Seele

Marcel Lossie und Peggy Brammert unterstützen mit Fruchtalarm krebskranke Kinder

Alkoholfreier Blue Curacao mit Erdbeer-Sirup, Waldmeister und Ananassaft? Warum nicht! Wenn die Fruchties – so heißen die ehrenamtlichen Helfer von Fruchtalarm – einmal in der Woche mit der mobilen Cocktailbar auf die Kinderkrebsstation in Gilead kommen, dürfen die Kinder frei wählen. „Im Klinikalltag sind die Patienten oft fremdbestimmt, die Krankheit bestimmt das Leben“, sagt Peggy Brammert. An der Cocktailbar ist es genau umgekehrt. Da entscheiden die Kinder, mixen aus Säften und Sirup ihren eigenen Drink und können für kurze Zeit den Klinikalltag hinter sich lassen.

Selbstbestimmt sein ist eine wichtige Zutat beim Fruchtalarm-Konzept. Die andere heißt Verlässlichkeit. Jede teilnehmende Klinik hat einen festen Tag, an dem die Cocktailbar auf die Station kommt. In Bielefeld ist es der Dienstag. Darauf können sich die Kinder verlassen und freuen. Auch an Feiertagen und in den Ferien. „Fruchtalarm ist ja viel mehr als Cocktails mixen“, sagt Marcel Lossie, der das Projekt 2010 ins Leben rief- aus sehr persönlichen Gründen: Damals war sein siebenjähriger Sohn an Krebs erkrankt. Die Diagnose traf die fünfköpfige Familie völlig unvorbereitet, erzählt er. „Wie aus heiterem Himmel.“

Statt Schule und Hobbys gehörten Chemotherapie und Ärzte plötzlich zum Alltag, ein halbes Jahr verbrachte die Familie mehr oder weniger im Krankenhaus. In dieser Zeit des Hoffens und Bangens hatte Lossie, ein Macher-Typ, das Bedürfnis, etwas zu tun – und kam als Eventmanager schnell auf die Idee mit der Cocktailbar. Der Bielefelder Cartoonist Ralph Ruthe zeichnete die frechen Früchte, auch der Name war rasch gefunden. „In der Klinik ist immer viel los, andauernd piepen Geräte.“ Diesen „Alarm“ positiv umzudeuten, war Lossie genauso ein Bedürfnis wie den Kindern etwas Farbe und Abwechslung in den Klinikalltag zu bringen. „Fruchtalarm soll Mut machen und motivieren“, sagt der Initiator, und auch Ärzte bestätigen: Die bunten Säfte sind gut für Sinne und Seele und machen Lust auf das so wichtige Trinken. Denn Hunger und Durst sind durch die Behandlung oft stark beeinträchtigt. 

„Strahlen- und Chemotherapie verändern den Geschmacks- und Geruchssinn“, weiß Marcel Lossie, der seinen Sohn 2011 an den Krebs verlor – aber mit Fruchtalarm weitermachte. Schon bald wurden andere Kliniken aufmerksam. Die Organisation gab Lossie dann an die Bielefelder von Laer Stiftung ab. „Eine richtige Entscheidung.“ Über die Stiftung kann das rein durch Spenden finanzierte Projekt weiter wachsen, Lossie selbst bleibt als Vorsitzender des ehrenamtlichen Projektvorstands ein treibender Motor. Mittlerweile gibt es Fruchtalarm an 21 Standorten - von Sylt bis München. „Ziel ist es, alle 56 Kinderkrebskliniken in Deutschland abzudecken“, sagt Peggy Brammert, die Fruchtalarm seit 2014 bei der von Laer Stiftung begleitet.

„Es ist ein tolles Projekt und kommt direkt bei den Kindern an“, sagt die Diplom-Pädagogin, die sich nach der Elternzeit direkt auf die Stelle beworben hat. Trotz Organisation und Büroarbeit hat Peggy Brammert immer wieder Kontakt mit den Fruchties und ist bei Einsätzen dabei. „2017 haben wir mehr als 10.600 kleine Patienten erreicht. Die Arbeit erdet einen sehr“, sagt die Mutter einer siebenjährigen Tochter. „Auch wenn es banal klingt: Es wird einem bewusst, wie wertvoll Gesundheit ist.“

Jedes Jahr erkranken mehr als 1.800 Kinder und Jugendliche neu an Krebs. „Damit beschäftigt man sich normalerweise ja nicht“, ergänzt Marcel Lossie, der es sich zur Herzensaufgabe gemacht hat, diese Kinder und ihre Familien zu unterstützen. „Auch die Geschwister sind ja belastet“, weiß der 40-Jährige, der vor zwei Jahren noch einmal Vater geworden ist. Dankbar sei er, dass die Beziehung zu seiner Frau in der schweren Zeit nicht zerbrochen, sondern eher stärker geworden ist. „Keine Selbstverständlichkeit“, meint Lossie, für den kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht in Sachen Fruchtalarm telefoniert oder mit Unterstützern spricht.

Auch einige Promis und Filmstars wissen inzwischen, was Fruchtalarm ist: Bei der Bambi-Verleihung im November in Berlin wurde Lossie für das Projekt und stellvertretend für die 181 Fruchties deutschlandweit als „Local Hero“ geehrt – und nutzte gleich die Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen sowie Helfer und Kinder zu würdigen. „Denn die wirklichen Helden sind die Kinder, die sich durch diese Krankheit kämpfen.“

                                                                                                            Silke Tornede

www.fruchtalarm.info