Geschmack fürs Leben

Kochprofi Denis Mann über Kinder, Küche und Karriere

Bei Familie Mann gibt es heute gedämpften Seelachs mit Gnocchi und buntem Gemüse. Papa Denis schneidet Paprika und Zucchini in gleichmäßige Stücke, Sohn Ayden (2) hilft ihm dabei. Das gemeinsame Mittagessen ist dem Küchenprofi heilig, meistens kocht er es selbst - obwohl er auch beruflich täglich Stunden am Herd steht. Doch für den leidenschaftlichen Koch ist Essen eben mehr als satt werden. Eine frisch zubereitete Mahlzeit bedeutet auch Nähe, Wärme, Emotionen. „Für mich“, sagt der 32-Jährige, „ist es einfacher, jemanden mit einem guten Essen glücklich zu machen als mit vielen Worten.“ 

Schnippeln, schmecken und immer wieder etwas Neues ausprobieren, das macht auch den Chefkoch selbst glücklich. Schon als Jugendlicher wusste er, dass er mit den Händen arbeiten möchte und fand im Beruf Koch die ideale Verbindung von Handwerk und Kreativität. „Köche sind Freigeister, die Wissen und Mut brauchen und ruhig mal über die Stränge schlagen dürfen“, findet der Mann, der in der Küche lieber Baseball-Kappe statt Kochmütze trägt. Jung und wild eben, so beschreibt er auch seinen eigenen Kochstil. Zwar serviert Denis Mann gerne traditionelle regionale Gerichte, aber immer gepaart mit einer ungewöhnlichen Kombination, einem kleinen Kick.

Abwechselung ist für ihn das Salz in der Suppe, und abwechslungsreich klingt auch sein bisheriger Lebensweg: Geboren in Leipzig, Ausbildung im 5-Sterne-Hotel Bareiss im Schwarzwald, dann Stationen in Berlin, Kitzbühl, Abu Dhabi und Wien. Zuletzt kochte Denis Mann im Bielefelder Restaurant „Glück & Seligkeit“ und im „Méditerranée“.  Außerdem schipperte er 2015 als Privatkoch auf der Yacht von Robert und Carmen Geiss durchs Mittelmeer und die Karibik. Ein bisschen Rockstar und Entertainment gehören eben auch zum Beruf dazu, sagt der quirlige Koch grinsend.

Dann der nächste Schritt: ein eigenes Restaurant. Ende 2015 übernahm er mit Moritz Beuven die „Alte Schmiede“ in Steinhagen, 2016 kam das „Steinhäger Häuschen“ gleich gegenüber noch dazu. 60 bis 100 Gäste bekocht Denis Mann nun täglich, 14- bis 16-Stunden-Arbeitstage sind keine Seltenheit. „Aber meine Familie gibt mir viel Kraft und steht hinter mir“, sagt der Gastronom, der dafür die Zeit am Vormittag umso intensiver mit den beiden Kindern auskostet.

Auf dem Herd kocht inzwischen das Wasser für die Gnocchi. Mia, knapp ein Jahr alt, und Ayden wuseln durch die Küche. Die Kinder dürfen hier spielen, Schränke erkunden,   Rührschüsseln ausräumen. Küche und Kochen sind selbstverständlicher Teil des Familienlebens, das fördern Vater und Mutter. Mit ihrem eigenen Vorleben wollen sie den Kindern Genuss und Spaß am Essen vermitteln - ohne ein großes Thema daraus zu machen. „Wir essen alles, Bratkartoffeln, Spinat, Fisch, Fleisch“, erzählt Denis Mann, der zu Hause gerne schnell und einfach kocht. Raffiniert müssen Gerichte für Kinder auch gar nicht sein, so seine Erfahrung. Im Gegenteil. „Kinder wollen sehen, was sie essen. Gemüse, Beilage, Soße, am liebsten haben sie alles schön getrennt auf dem Teller.“

Viel wichtiger sei es, dass Kinder den Eigengeschmack der Lebensmittel kennenlernen. Das gibt er gerne weiter. Im Kinderkochkurs in seiner Restaurantküche lässt er die kleinen Köche deshalb ruhig mal mit dem Finger in Mehl und Salz stippen oder Pellkartoffeln pur probieren. Wie schmeckt das? Und am 26. März steht er ebenfalls mit Jungen und Mädchen am Herd. Sie schwingen bei der milkids-Kinderkochshow  im Rahmen der Genussmesse „Esskultpur“ in der Bielefelder Stadthalle den Kochlöffel.

Pfannkuchen, Rinderroulade, Milchreis - Denis Mann ist überzeugt, dass Gerichte aus der Kindheit Erinnerungen fürs Leben sind. Diese Geschmackserfahrungen sollten Eltern ihren Kindern nicht vorenthalten und die Kids ruhig auch beim Kochen einbinden, findet er. Natürlich habe sich das Familienleben verändert. Auch er selbst hat nicht immer Zeit, frisch zu kochen. Ein Butterbrot oder eine Banane seien dann aber allemal besser als ein Fertiggericht. Außerdem gehe das Kochen oft schneller als gedacht.

In der Küche duftet es inzwischen nach frisch geschmortem Gemüse. Seelachs und Gnocchi sind soweit, etwas frische Petersilie noch dazu. Fertig! Kaum eine halbe Stunde hat es gedauert, bis das Essen auf dem Tisch steht. Und weil die Kinder mitgeholfen haben, schmeckt es allen noch mal so gut.               

Silke Tornede