Auf Seiten von Kind und Eltern

Johanna Rentel-Dammann engagiert sich als Familienpatin beim Kinderschutzbund Bielefeld

„Ich bin leidenschaftlich gerne Tante“, sagt Johanna Rentel-Dammann. Und wer die fröhliche Frau kennenlernt, der ahnt, dass sie wohl oft auch eine Lieblingstante ist. Die 53-Jährige wirkt warmherzig und handfest zugleich, verbreitet Zuversicht und gute Laune. Ein Mensch, mit dem man gerne Zeit verbringt, und von dieser Zeit schenkt sie auch anderen etwas – als Familienpatin beim Bielefelder Kinderschutzbund. Eines von vielen Angeboten und Projekten für Familien.

Vor zehn Jahren übernahm Johanna Rentel-Dammann das Ehrenamt. Zehn Familien hat sie seitdem begleitet und unterstützt, darunter mehrere alleinerziehende und junge Mütter, überlastete Paare und Eltern, die nach einer Frühgeburt den Alltag mit Zwillingen meistern mussten. Die Patin steht Familien in solchen Situationen zur Seite, kümmert sich um die Kinder und verschafft Eltern eine Verschnaufpause, damit sie wieder Kraft tanken können. „Was genau gebraucht wird, ist in jeder Familie unterschiedlich“, sagt sie. Aber eins haben alle gemeinsam: Die Eltern melden sich freiwillig beim Kinderschutzbund, der dann unbürokratisch Hilfe organisiert.

Entsprechend versteht sich Johanna Rentel-Dammann als ältere Freundin oder liebevolle Tante, die für gestresste Familien da ist – mit Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und einer Portion Toleranz. „Mir steht es nicht zu, Vorschriften zu machen oder zu belehren. Wenn ich in eine Familie komme, akzeptiere ich, wie der Alltag dort läuft.“ Egal ob nachmittags der Fernseher dudelt, die Mutter tätowiert ist oder nur selten frisch gekocht wird. „Das entspricht vielleicht nicht meinen Vorstellungen. Aber wenn ich dann sehe, wie eine Mutter mit ihren Töchtern einen Film guckt und alle haben zusammen Spaß, ist das auch Familienleben“, sagt sie. „Hauptsache, die Kinder werden geliebt und fühlen sich angenommen.“

Rund 30 Familienpaten leisten beim Bielefelder Kinderschutzbund dazu einen Beitrag. Die Ehrenamtlichen treffen sich regelmäßig zum Austausch und werden professionell von einer Sozialarbeiterin unterstützt. Die Mütter selbst werden oft von Ärzten oder Hebammen auf das Hilfsangebot aufmerksam gemacht - so war es auch bei Sheila, die vor sieben Jahren am Ende ihrer Kräfte war. „Mein Kind hatte eine Schreiphase. Nur bei Johanna war der Kleine ruhig. Das war eine riesige Entlastung“, erzählt die 35-Jährige, die anderen Frauen Mut machen möchte, sich Hilfe zu holen. „Das fällt oft schwer. Aber durch Johanna habe ich gelernt, wie wichtig es ist, dass es mir gut geht. Nur dann kann ich gut für die Kinder sorgen.“

Kindern Liebe und Geborgenheit schenken, das motiviert Johanna Rentel-Dammann, aber auch ihre resolute Seite kommt den Familien zugute. Als Patin begleitet sie Eltern ebenfalls bei Behördengängen oder geht mit zum Kinderarzt. „Da spreche ich schon mal Klartext. Ich stehe voll und ganz auf der Seite der Familien“, sagt die gelernte Finanzbuchhalterin, die ihren früheren Beruf ebenfalls mit Leidenschaft ausgeübt hat. „Ich habe gerne und viel gearbeitet.“ Doch als ihre Tochter sich immer öfter beschwerte, dass Mama und Papa zu wenig Zeit haben, zog sie vor zehn Jahren die Bremse und stieg aus dem Job aus. Von 100 auf 0 herunterfahren war allerdings schwer. Just in dieser Zeit fiel ihr ein Artikel über den Kinderschutzbund in die Hände. Und sie erinnerte sich, dass ihre Tochter in der Grundschule von einer Dame geschwärmt hatte, die als Schulpatin Kinder beim Lernen unterstützte. „Das hatte mich schon damals beeindruckt. So kam ich zum Kinderschutzbund.“

Dass dort gerade Familienpaten gesucht wurden, fanden ihre Tochter und ihr Mann großartig. „Wie gesagt, ich bin gerne Tante. Kinder von Freundinnen und Verwandten waren oft bei uns zu Besuch.“ Jetzt wurde der Kreis noch etwas größer, denn Johanna Rentel-Dammann lädt auch Kinder aus ihren Patenfamilien gerne zu sich nach Hause ein und lässt sie an ihrem Alltag teilhaben. Dann wird zusammen gegessen, gespielt oder ein Buch gelesen. „Vielleicht nehmen sie ja etwas davon mit“, sagt die 53-Jährige, der die gemeinsame Zeit selbst großen Spaß macht und Kraft gibt. „Ich liebe es, mit Kindern zu spielen, zu backen, zu kochen, zu basteln.“ All das, was eine gute Tante eben auszeichnet.

Silke Tornede