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Den Forschergeist wecken

In der Zoo-Schule Grünfuchs bringt Antje Fischer Kindern die Natur nahe

Der Grünfuchs ist schon eine ganz besondere Gattung: schlau und neugierig, auffällig und außergewöhnlich. „Das Logo des Tierparks passt einfach wunderbar zu uns, daher der Name“, sagt Antje Fischer augenzwinkernd. 2004 gründete die promovierte Biologin die Zoo-Schule Grünfuchs im Bielefelder Tierpark Olderdissen und gibt ihr reiches Wissen über Tiere und Pflanzen an Besucher weiter. Kinder und Erwachsene lernen dort viel über die Natur – und einiges fürs Leben.

Zuhause sind die Grünfüchse im alten Verwaltungsgebäude schräg gegenüber vom Meierhof. Über eine schmale Treppe geht es ins Dachgeschoss: Schultische und Stühle, eine Leseecke, Mikroskope, Bücher und Bastelutensilien, Geweihe an den Wänden – die gemütliche Dachetage ist mit allem ausgestattet, was kleine Forscher so brauchen. Von hier aus starten Rallyes, Führungen oder Nachtwanderungen, denn das Wichtigste in der Zoo-Schule ist natürlich, die Natur aus erster Hand zu erleben. Wie riecht es bei den Luchsen? Wie fühlt es sich an, wenn eine Ziege ein paar Leckerlis von der flachen Hand knabbert? Solche Eindrücke kann kein Buch oder Film vermitteln. 

Über das Erleben möchte Antje Fischer Begeisterung und Verständnis für die Natur wecken, Liebe zu Tieren und Respekt fördern. „Viele Kinder haben heute wenig Berührungspunkte mit der Natur. Sie kennen vielleicht Löwen und Tiger aus dem Fernsehen, wissen aber relativ wenig über Tiere in Deutschland.“ Einheimische Tierarten, das klingt auch nicht gerade spannend . . .  doch Pustekuchen, meint Antje Fischer. „Dann besuchen wir erst einmal die Wölfe oder Luchse, die sechs bis sieben Meter weit springen können. Wir haben in Deutschland ein wildes Tierleben.“ Und auch einen Esel anzufassen oder Wildschweine aus nächster Nähe zu beobachten, kann ziemlich aufregend sein.

"Ich möchte Liebe zu Tieren und Respekt fördern"

Mit ein paar „Wildschweinbonbons“ - getrocknete Nudeln in einer Kiste – lockt Antje Fischer die Borstenviecher an. Warum wälzen sie sich so gerne im Schlamm? Wofür ist das gut? Über Fragen kitzelt die Biologin die Neugierde der Kinder hervor und will ihren Forschergeist wecken. Besonders beliebt sind die Tierfütterungen, auch dabei erfahren Kinder schnell, wie es in der Natur läuft – und das hat nichts mit Naturromantik zu tun. Das Alphatier schubst die Schwächeren weg, die Eule schnappt sich ein junges Küken. Fressen und gefressen werden, der Stärkere setzt sich durch, das sind Naturgesetze. Antje Fischer motiviert Kinder, diese Regeln zu erkennen und zu akzeptieren. „Es tut Kinder gut, über das Gegenüber nachzudenken“, findet die 48-Jährige, die selbst Mutter einer fünfjährigen Tochter ist. Empathie und Einfühlungsvermögen werden so gestärkt. Eine „Gänsehaut“ bekommt sie, wenn der Funke überspringt und sie merkt, wie Kinder das Verhalten der Tiere besser verstehen. „Dann könnte ich hüpfen vor Freude.“

So fröhlich gehüpft hat sie vielleicht auch, wenn sie als kleines Mädchen einen Frosch oder Regenwurm gerettet hat. Was kreucht und fleucht, fand die Bielefelderin schon als Kind faszinierend. Ihre Familie in Schildesche sei sehr naturverbunden, erzählt sie. In der Kindheit ging es jedes Wochenende raus an den Dümmer, und schon früh wusste die Naturfreundin: Ich möchte später Tierforscherin werden. Berühmte Verhaltensforscherinnen wie Jane Goodall oder Dian Fossey waren ihre Vorbilder. Ihr Traum war es immer, im Freiland bei den wilden Tieren zu arbeiten. Einige Zeit schnupperte sie sogar in Brasilien in diese Arbeiten hinein, aber als ihre Mutter pflegebedürftig wurde, entschied sie sich doch, in Bielefeld zu bleiben – und ging nach der Promotion ein anderes Wagnis ein: Sie gründete die erste und in dieser Form einzige selbständige Zoo-Schule in Deutschland, wie sie sagt. „Viele glauben, wir gehören zur Stadt, aber wir tragen uns komplett selbst.“

Mit viel Herzblut organisiert sie mit ihrem Team seit fast 15 Jahren Schulführungen, Kindergeburtstage oder Firmenausflüge. Die Liebe zu Wissenschaft und Forschung ist dabei nie verloren gegangen. Antje Fischer hält Kontakt zu verschiedenen Universitäten, setzt sich mit ethisch-philosophischen Fragen auseinander und will auch die Besucher in der Zoo-Schule zum Nachdenken anregen. Wie sehen wir Tiere? Warum bezeichnen wir ein Tier als intelligent, bewerten es als gut oder böse? Eigene Ansichten hinterfragen, Haltungen überprüfen, „dazu rege ich gerne an“, sagt sie und fügt hinzu: „Es gibt in der Zoo-Schule keine Lösungen, aber viele Denkanstöße.“ Und eine Menge Infos, um sich eine Meinung zu bilden.                                                                                   Silke Tornede