ANZEIGE



ANZEIGE


 


 

In den Medien unterwegs

Friederike von Gross will Kinder stark und fit machen für die digitale Welt

Smartphone & Co. sind in vielen Familien ein ständiges Reiz- und Streitthema. Läuft es besser, wenn die Mutter promovierte Medienexpertin ist? „Meine beiden Töchter haben es wahrscheinlich noch etwas schwerer“, sagt Friederike von Gross und lacht. Die 41-Jährige ist Geschäftsführerin der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) in Bielefeld und beschreibt die Mediennutzung zu Hause als „schon etwas strenger, dafür aber vielfältig.“ 

„Meine Töchter dürfen zum Beispiel längst nicht alle Filme gucken, die laut FSK für ihr Alter freigegeben sind.“ Statt dessen vertraut die Mutter lieber den Experten der Kinderfilmwelt, die einen Film statt ab sechs Jahren möglicherweise erst ab elf Jahren empfehlen. Medien kritisch zu reflektieren, das ist Friederike von Gross in Fleisch und Blut übergegangen. Gleichzeitig lautet ihr Credo, Medien kreativ mit Spaß und Freude zu nutzen. Ein Beispiel? Die jüngste Tochter (9) darf mit einem ausrangierten Handy kleine Filme drehen und denkt sich mit Freundinnen Geschichten aus. Dann wird die Kostümkiste hervorgeholt, die Mädchen verkleiden sich. Kamera ab. 

Ansonsten ist in der Familie ein eigenes Handy in der Grundschulzeit tabu. Die ältere Tochter bekam nach der 4. Klasse ihr erstes Smartphone. „Wir haben es ihr zum Zeugnis geschenkt und die Ferien genutzt, um den Umgang damit zu üben.“ Die Zwölfjährige weiß genau, wie sie Ortungsdienste ausschaltet und welche Sicherheitseinstellungen bei Whatsapp wichtig sind. „Ich gucke mir mit meiner Tochter auch regelmäßig an, was im Klassenchat läuft.“ Doch was machen Eltern, die nicht so versiert sind?

Im Gespräch bleiben, die Kinder beim Medienkonsum begleiten, sich Rat holen und informieren, das ist für Friederike von Gross das A und O. Dass es selbst für Medienpädagogen nicht einfach ist, mit der rasanten Entwicklung Schritt zu halten, gibt sie gerne zu. Umso wichtiger sind Organisationen wie die GMK. Der bundesweite Verband setzt sich dafür ein, Lehrer, Erzieherinnen und andere Pädagogen in Sachen Medienkompetenz zu qualifizieren und zu vernetzen – von der Kita bis in die Erwachsenenbildung. Medienbildung heiße dabei nicht, Kinder vor Tablets zu setzen oder in der Schule Whiteboards aufzuhängen, betont von Gross.

„Es geht darum, Kinder zu befähigen, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden.“ Was findet ein Dreijähriger so toll an seinem Filmhelden? Wie funktionieren Algorithmen? Wie schütze ich persönliche Daten in sozialen Netzwerken? „Wir dürfen junge Leute damit nicht alleine lassen. Wir müssen diesen Themen gerade auch in der Schule mehr Raum geben, denn dort erreichen wir alle Kinder“, plädiert von Gross.

Chatten, Fotos posten, liken – „On-Sein“ kann Jugendliche ganz schön unter Druck setzen. „Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich ohne Smartphone aufgewachsen bin, auch wenn ich es jetzt nicht mehr missen möchte“, sagt Friederike von Gross, die schon früh Interesse an Medien zeigte. Mit elf Jahren bekam sie ihren ersten Computer, einen Commodore 64. Im Jugendzentrum Sennestadt machte sie einen Programmierkurs für Mädchen, spielte als Jugendliche leidenschaftlich gerne PC-Spiele oder filmte mit einem Camcorder. 1996 startete sie ihr Pädagogik-Studium und lernte an der Uni Bielefeld noch Dieter Baacke († 1999) kennen, der den Begriff der Medienkompetenz prägte und 1984 die GMK gründete.

Dass sie im Anschluss an ihre Promotion 2016 die Geschäftsführung des Vereins übernehmen konnte, ist für die Bielefelderin eine wunderbare Fügung – auch wenn es nicht immer einfach ist, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. „Das erfordert  schon ein gutes Familienmanagement.“ Und viele Absprachen mit ihrem Mann, der von Bielefeld aus Reisen nach Südafrika organisiert. Selbst zu reisen, gerne nach Südafrika oder Skandinavien, in der Natur zu sein, Zeit mit der Familie zu verbringen – das ist Friederike von Gross neben ihrer Arbeit ganz wichtig.

Natürlich werden in der gemeinsamen Freizeit auch Medien genutzt, Spiele gespielt, Filme geguckt. „Wir haben allerdings kein analoges TV, wir streamen nur noch und können uns Filme so gezielt auswählen.“ Kritisch und kreativ eben, und schon zückt Friederike von Gross ihr Handy und zeigt per Fotos, wie sie mit ihren Töchtern kürzlich einen Mini-Roboter programmiert hat. Wer das einmal selbst ausprobieren möchte, dem empfiehlt die Medienfrau die „Games On!“, die die GMK organisiert. Familien können dort digitale Spiele und Medien testen: am 13. April in der Stadtbibliothek Minden, 27. April in Paderborn und 11. Mai in Bielefeld.                                                                                                                                                                                                                              Silke Tornede