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Feijoada und Frikadellen

Fußball spielt in Brasilien eine große Rolle. Fußball spielt sogar manchmal Schicksal - wie Carolina Löbel-de Mendonca erfahren hat. Die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, das Sommermärchen 2006, hat dem Leben der Brasilianerin eine Wende gegeben. Zur WM kam sie auf Einladung ihres Bruders Fabiano und ihrer Schwester Claudia nach Bielefeld – und entschied sich danach zu bleiben. Auch der Liebe wegen.

Carolina stammt aus Recife im Nordosten des Landes. „Meine Mama, mein Papa und drei Geschwister leben noch dort. Über Skype, Facebook und Telefon halte ich intensiv Kontakt zu ihnen.“ Die Familie fehlt ihr, auch das Wasser. Recife ist eine Küstenstadt direkt am Atlantischen Ozean. Die Stadt gilt als fußballverrückt. „Fußball wird überall und ständig in Brasilien gespielt von klein auf – auch viel in Recife.“

Alle Welt spricht von der Copa, wie die WM genannt wird. Aber in Brasilien gibt es auch kritische Stimmen. „Viele Leute, auch aus meiner Gegend, sind arm und haben keine Arbeit. Sie können sich vieles nicht leisten. Sie sind dagegen, dass so viel Geld für die Spiele und neue Stadien ausgegeben wird.“ In Brasilien gebe es zum Beispiel keine Krankenversicherung. „Da muss jeder für die Behandlung selbst bezahlen. Das finde ich in Deutschland viel besser für die Bürger geregelt.“ So gebe es in Brasilien zwar auch eine Schulpflicht, aber ganz anders kontrolliert wie in Deutschland.

Die Familie bewegt sich in der deutschen wie der brasilianischen Kultur und pflegt sie: „Wir sind beides“, meint Tochter Adrielly. Zum Beispiel beim Essen. Die 32-Jährige kocht Feijoada, einen Bohnen-Fleisch-Eintopf, aber es gibt auch Frikadellen, Schnitzel und Pommes, was ihre Zwillinge Beatrice und Juan freut. „Wenn ich brasilianisch koche, schmeckt es trotzdem nicht so wie bei meiner Mama“, meint Carolina. Sie könne hier in Deutschland zwar alle Zutaten kaufen, aber der Geschmack sei anders als in Brasilien. Viel Fleisch und Fisch bestimmten die brasilianische Küche, dafür nicht so viel Obst wie in Deutschland.

Feste wie Ostern und Weihnachten haben in Brasilien längst nicht die Bedeutung wie in Deutschland. „Der Höhepunkt des Jahres ist bei uns der Karneval. Das ist das Schönste“, schwärmt die dreifache Mutter: „Da laufen die Vorbereitungen schon ein Jahr vorher an.“ Diesen Teil der Kultur hat sich Carolina ein kleines Stück bewahrt. Sie arbeitet in einem brasilianischen Restaurant und tanzt dort auch Samba. Ihre Kostüme stammen aus Brasilien und wurden in Handarbeit für sie gefertigt. „Mit ganz viel Federn und Glitzer“, verrät Juan.

Und für wen werden zur Fußballweltmeisterschaft die Daumen gedrückt? Gibt es Interessenkonflikte? „Nein“, sagen sie. Die Kinder haben sowohl ein Brasilien- als auch ein Deutschlandtrikot: „Wir sind ja beides.“