Alle Jahre wieder

Familien können ein Lied von ständigen Erkältungen singen

Schnoddernasen, bellender Husten. In Kitas und Schulen machen Viren und Bakterien jetzt wieder die Runde. Und von den Kindern greifen sie dann oftmals auf Eltern, Erzieher und Lehrer über. Alle Jahre wieder.

Lina hat’s erwischt. Wieder mal. Tags zuvor noch putzmunter, hatte die 4-Jährige am nächsten Morgen eine verstopfte Nase und war total anhänglich. „Sie war gar nicht gut drauf. Da war an Kindergarten nicht zu denken“, sagt Mutter Sandra. Sie ist besorgt: „Und wieder hat es meine Kleine erwischt. Eigentlich ist die letzte Erkältung gerade erst so richtig abgeklungen.“

Doch ihre Sorge ist eigentlich unbegründet. Dr. Maike Klein, Kinder- und Jugendärztin beim Gesundheitsamt der Stadt Bielefeld erklärt: „Gerade Vorschulkinder sind häufig krank. Erkältungskrankheiten können bei ihnen mehr als sieben Mal im Jahr auftreten. Das ist durchaus normal.“ Der Grund: Das Immunsystem der Jungen und Mädchen ist in diesem Alter noch nicht ausgereift. Je jünger das Kind desto anfälliger. An den Infekten bauen die Kinder ihre künftige Abwehr gegen Viren und Bakterien auf. „Am schlimmsten ist das erste Kindergartenjahr.“

Die Krankmacher werden beim Husten und Niesen, beim Kuscheln über Spielsachen oder die Hände wie beim Pingpong hin und her weitergereicht. Mit jeder Keiminvasion lernt der Körper aber, sich zu wehren. Die Kinder trainieren so ihr Immunsystem und stärken es mit jeder Erkältung. Je älter sie werden desto besser sind sie gewappnet. „Im Schulalter lassen die häufigen Erkrankungen dann nach“, weiß Dr. Klein.

Grundsätzlich gilt zu unterscheiden zwischen einer Grippe und einem grippalen Infekt, sprich Erkältung. „Ein Grippe kommt oft mit hohem Fieber, das meist plötzlich und stark auftritt. Damit verbunden sind Kopf- und Gliederschmerzen. Die Kinder sind dann oft so fertig, dass sie auch nicht mal mehr trinken wollen. Sie brauchen dann auf jeden Fall Ruhe“, weiß Dr. Maike Klein. Bei einem Infekt rät die Medizinerin unbedingt frische Luft. Angemessen anziehen und nichts wie raus. „Denn die Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus.“ Überhaupt empfiehlt die Kinderärztin bei Wind und Wetter raus zu gehen, wenn es die Verfassung erlaubt. Kinder, die viel draußen sind, seien besser gewappnet. „Das stärkt die Abwehr.“

Eine Erkältung äußert sich mit Husten und Schniefnase. Weil die Symptome meist durch Viren hervorgerufen werden, greifen hier in der Behandlung keine Antibiotika. „Sie sind gegen Viren nutzlos. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien zum Beispiel bei eitrigen Mandelinfekten.“ Ganz wichtig bei sämtlichen Erkältungsformen: viel, viel trinken. Wenn das Kind auch nicht so viel Appetit hat, sollte es doch ausreichend trinken. Salzhaltige Meerwasser-Nasensprays halten die kleinen Rotznasen feucht. „Abschwellende Nasentropfen sollten dann angewandt werden,
wenn das Kind nicht gut Luft bekommt und damit die Eustachische Röhre, die Verbindung zum Ohr, frei bleibt und sich keine Mittelohrentzündung entwickelt.“ Oder zur Nacht. Damit erkältete Kinder besser schlafen können, das Zimmer stets gut lüften und den Oberkörper nicht flach hinlegen, sondern erhöht. Dazu unter die Matratze ein Keilkissen packen und im Zimmer feuchte Tücher aufhängen. „Das lindert Husten und Kratzen im Hals.“

In der Behandlung von Erkältungen bewähren sich nach wie vor Hausmittel wie das
Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen (entzündungshemmend) oder Brust- und Halswickel beispielsweise mit Quark bei Husten und Halsschmerzen. Linderung beim Husten verschaffen auch pflanzliche Tees und Säfte z. B. von Efeu. Zum Schleimlösen hilft die Dampfinhalation mit einer Wasser-Kochsalz-Lösung. Husten und Schnupfen sind meist harmlos. Aber eine gewisse Unsicherheit bleibt oftmals bei den Eltern. Deshalb die kleinen Patienten lieber einmal mehr als zu wenig vom Kinderarzt untersuchen lassen.

Sandra hofft nun, dass Lina bald wieder auf dem Damm ist und das Pingpongspiel der Schniefnasen ein Ende hat. Doch die Zeit von Husten, Schnupfen und Heiserkeit kann noch bis April andauern. Gesundheit.

 

Krankmacher: Vom Mund in die Hand

Kinder und Jugendliche sind sowohl aufgrund ihres noch unreifen Immunsystems, als auch aufgrund ihrer zahlreichen sozialen Kontakte und körperlichen Nähe zu anderen Kindern besonders häufig von Infektionskrankheiten betroffen. Zudem tragen sie in erheblichem Maße zur schnellen Verbreitung von Infektionen bei. Damit Verhaltensweisen zur Hygiene Routine werden, sollten sie möglichst frühzeitig im Kindesalter erlernt werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat deshalb im Rahmen der Aktion "schütz ich mich – schütz ich dich" drei unterschiedlich gestaltete Medienpakete für Kindertagesstätten, Grundschulen sowie weiterführende Schulen der Sekundarstufe I erstellt. Die Medien informieren über das richtige Händewaschen und richtiges Husten und Niesen.

EMPFEHLUNGEN
Beim Husten oder Niesen wird eine große Zahl Viren und Bakterien aus unserem Körper geschleudert. Halten wir uns dabei die Hand vor den Mund, landen diese Erreger auf unserer Handfläche. Von dort werden die Keime leicht weiter gereicht. Besser ein Taschentuch verwenden und anschließend sofort entsorgen. Nicht in die Hand, sondern immer in die Armbeuge niesen und husten. Beim Niesen oder Husten immer Abstand zu anderen Personen halten und sich wegdrehen.

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