Der eigene Lebensweg motiviert

Lena Jeckel möchte, dass junge Menschen im Bunker Ulmenwall Musik erleben 

Wenn Lena Jeckel den abgewetzten Teppich betritt, der im Bunker Ulmenwall die Bühne markiert, ist die Erinnerung sofort wieder da: Hier stand sie als Jugendliche und spielte mit ihrer Band, Scheinwerfer an und das Publikum ganz nah. Heute sorgt die 32-jährige Bassistin dafür, dass andere Nachwuchsmusiker im Bunker auftreten können. Seit einem Jahr ist sie Geschäftsführerin der Bielefelder Kultureinrichtung und kümmert sich schwerpunktmäßig um die Jugendarbeit. 

Junge Bands fördern, Jazz und Rock auf die Bühne bringen und Jugendlichen einen Zugang zur Musik ermöglichen - all das gehört zu ihren Aufgaben. Für ihre eigene Musik bleibt da im Moment nur wenig Zeit. Stattdessen schreibt sie Förderanträge und Konzepte, kümmert sich um Personalfragen und verhandelt mit der Stadt über Leistungsverträge, damit die Arbeit im Bunker weiter gehen kann. „Aber das fühlt sich genau richtig an“, sagt die Bielefelderin. „Ich habe jahrelang ganz intensiv Musik machen dürfen. Jetzt will ich zurückgeben, was ich selbst erfahren habe.“

Ihr eigener Lebensweg motiviert sie, und der ist ganz und gar durch Musik geprägt. Dafür sorgte schon ihr Vater, der bis heute in Bands Gitarre spielt und immer wieder neue Instrumente mit nach Hause brachte. So bekam Lena Jeckel mit knapp zehn Jahren auch einen elektrischen Bass in die Hände und wusste sofort: Das ist mein Instrument! Sie brachte sich selbst das Spielen bei und gründete mit zwei Freundinnen ihre erste Band. Zwei weitere Bands und unzählige Auftritte in Jugendzentren und Kultureinrichtungen folgten. „Das war berauschend, vom Publikum wahrgenommen zu werden und zu merken: Die verstehen, was wir mit der Musik sagen wollen.“

Musik ist für Lena Jeckel  Ausdruck, eine kreative Sprache und Hilfe in vielen Lebenslagen, das möchte sie auch anderen jungen Menschen vermitteln. „Mir hat Musik als Jugendliche sehr geholfen. Das ist ja eine Zeit, in der man oft unsicher ist und nicht weiß, was man will.“ Wie gut war es dann, sich mit Freunden zu treffen, gemeinsam zu proben und das innere Gefühlschaos in Töne und Klänge zu fassen.   

Mit Anfang 20 passierte der Bassistin dann das, wovon viele träumen: Nach einem Konzert wurde sie 2004 von einem Sänger angesprochen und abgeworben. Sie unterbricht ihr Pädagogik-Studium und tourt fast vier Jahre mit zwei Profis durch Europa, tritt auf Festivals und in Clubs auf, produziert drei Platten. „Eine tolle Zeit!“, sagt sie rückblickend. Trotzdem kehrte sie nach Bielefeld zurück, um ihr Studium zu beenden. Eine schwere Entscheidung: „Aber es war richtig für mich.“

Mit dem Abschluss, dem Pädagogik-Diplom, öffnen sich auch wieder neue Türen. Lena Jeckel konzentriert sich auf die Musik-Pädagogik. Schon während des Studiums hat sie Kontakt zum Bunker Ulmenwall, leitet Workshops und lernt die Jugendarbeit im Bunker schätzen. Profis begegnen dort Laien, erfahrene Musiker treffen mit Anfängern zusammen. All das schaffe eine besondere Atmosphäre und einen guten Nährboden. „Viele junge Leute, die hier angefangen haben, studieren später Musik und werden Profis. Der Bunker Ulmenwall ist ein wichtiger Ort für Nachwuchsmusiker in Bielefeld.“ 

Als künstlerisch-pädagogische Leiterin möchte sie die Jazzförderung und die Jugendarbeit im Bunker weiter ausbauen. Wichtig seien ihr zum Beispiel die Sessions für Mädchen und für junge, unbegleitete Flüchtlinge. „Die Jugendlichen können oft kaum Deutsch, aber wenn sie zusammen Musik machen, finden sie schnell eine gemeinsame Sprache. Das zu erleben ist toll.“ Genauso begeistert ist sie, wenn sie Konzerte von Schülerbands und die ersten Gehversuche von jungen Musikern miterlebt.

Und auch das passt: Als Geschäftsführerin hat Lena Jeckel eine halbe Stelle, das gibt ihr Zeit für ihre eigene Familie und ihren fünfjährigen Sohn, der selbstverständlich mit viel Musik aufwächst. Als junge Mutter habe sich ihre Perspektive noch einmal verändert, sagt sie. Durch ihren Sohn sei ihr noch klarer geworden, wie wichtig es sei, „dass es Orte wie den Bunker Ulmenwall auch in Zukunft gibt.“ Orte, wo Kinder und Jugendliche Musik erleben, sich ausprobieren können und vielleicht auch einmal ihren ersten eigenen Live-Auftritt haben. Auf dem abgewetzten Teppich, der im Bunker Ulmenwall die Bühne markiert.

Silke Tornede            

Zitat:
„Mir hat Musik als Jugendliche sehr geholfen.“