Lebenselixier Wasser und Musik

Kreativ-Unternehmerin Astrid Hauke ist als Lieselotte Quetschkommode unterwegs

Sonnenblumen im Haar, freche Zöpfe und Ringelstrümpfe - so fröhlich hüpft Astrid Hauke als Lieselotte Quetschkommode durch die Welt. Im normalen Leben tritt die 43-Jährige dezenter auf, und doch haben Künstlerin und Bühnenfigur vieles gemeinsam: ansteckende Lebensfreude zum Beispiel, Mut und Humor.

Vor gut zehn Jahren kam Lieselotte in Astrid Haukes Leben, tauchte einfach so beim Improvisieren und Theaterspielen auf, nahm Gestalt an und wurde eine echte Freundin und Helferin. „Lieselotte erlaubt es mir Dinge zu tun, die ich sonst nicht machen würde. Etwas schräger und frecher zu sein als im wirklichen Leben", sagt Astrid Hauke. Als quirlige Lieselotte kommt sie bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gut an. Das ist der Musikerin und Schauspielerin wichtig, denn sie arbeitet „generationenübergreifend“, ist auf Kinderfesten genauso unterwegs wie in Seniorenheimen. Auch die Quetschkommode hilft ihr, mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen. Ältere singen spontan mit, wenn Astrid Hauke mit dem Akkordeon Volks- und Seemannslieder anstimmt. Kinder staunen, „vor allem, wenn Lieselotte ihnen zeigt, dass das Instrument atmen kann!"

Musik ist ein roter Faden in Astrid Haukes Leben. Ein Lebenselixier sozusagen, genauso wie das Wasser, schließlich ist die Bielefelderin in Bremen aufgewachsen, in einem musikalischen Elternhaus, die Nordsee gleich um die Ecke. Als Kind lernte sie Klavier, später kamen Gitarre, Ukulele, Perkussion-Instrumente, ein Didgeridoo und eben die Quetschkommode dazu. Auch das Theaterspiel begleitet die 43-Jährige seit der Kindheit. Schon als kleines Mädchen stand sie auf der Bühne. Der Geruch von Puder ruft bei ihr noch heute Erinnerungen wach - an Lampenfieber, Aufregung und das Warten auf den großen Auftritt.  

Bis sie sich allerdings traute, ganz als Künstlerin zu leben, dauerte es noch einige Zeit. Die Eltern wollten, dass die Tochter erst einmal einen richtigen Beruf erlernt. Also arbeitete sie zunächst als Arzthelferin - und wurde das Gefühl nicht los, dass sie den Menschen mehr geben möchte als ein Rezept, ein nettes Lächeln und einen neuen Termin. Bewusst bricht Astrid Hauke mit diesem Leben, macht eine Weltreise, kommt mit 26 Jahren schwanger zurück und wird Mutter. „In dieser Zeit habe ich viele Kinderlieder geschrieben. Das ergab sich so aus der Situation zu Hause", erzählt sie. Ihre Tochter und die Nachbarskinder hören begeistert zu, es gibt erste Angebote für Auftritte. Vorsichtig streckt die junge Mutter ihre Fühler im künstlerischen Bereich aus, spielt in einer kleinen Band und studiert nebenbei Pädagogik in Bielefeld, um eine solide Basis für die Arbeit mit Kindern zu haben.

„Einfach war es nicht“, sagt sie rückblickend. Als Alleinerziehende hangelt sie sich von Auftrag zu Auftrag, hat Existenzängste und Zweifel. Aber mit jedem neuen Auftritt wachsen Zuversicht und das Vertrauen: Ja, ich schaffe es. Geholfen haben ihr viele Menschen in ihrem Umfeld, auch das macht sie dankbar. „Das A und O ist ein gutes Netzwerk, Familie und Freunde, die einfach da sind.“ Sich gegenseitig unterstützen, für andere da sein, das ist Astrid Hauke wichtig und treibt sie auch bei der Arbeit an.

Eine echte Herzensangelegenheit ist ihr das Engagement in der Stiftung „Humor hilft heilen“ von Eckhart von Hirschhausengeworden. Als Lieselotte Quetschkommode besucht sie Kinder im Krankenhaus und macht ihnen Mut. Genauso verbringt sie Zeit mit Demenzkranken und schult als Humortrainerin Pflegekräfte, damit der oft stressige Alltag etwas leichter fällt. Astrid Hauke wird dabei immer klarer, dass sie mit ihrer Arbeit Gesundheit fördern möchte. Das ist auch ihr Anspruch, wenn sie auf Kinderfesten auftritt oder Musik macht. „Natürlich geht es da in erster Linie darum, Spaß zu haben und sich zu bewegen.“ Aber genau das mache Kinder stark und fit.

Dass sie sich als Kreativ-Unternehmerin, wie sie sich selbst nennt, inzwischen so intensiv um Gesundheit kümmert, lässt Astrid Hauke schmunzeln. „Jetzt weiß ich wieder, wofür ich die Ausbildung zur Arzthelferin gemacht habe", sagt sie lachend. Und sie weiß, was sie Menschen geben möchte. Nicht ein Rezept oder einen Arzttermin, sondern Freude und unbeschwerte Momente des Glücks. Denn auch das sind Lebenselixiere.                                                                          

Silke Tornede