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Vater ist, was man(n) daraus macht

Gerade erst zeichnete das Gütersloher Familienunternehmen Mestemacher wieder drei Spitzenväter aus  - ein Preis für Männer, die sich als Väter mit großem Engagement für ihre Kinder einsetzen und ihrer Partnerin den Rücken freihalten, damit diese in ihrem Beruf vorankommen kann. Aber nicht nur diese leben eine moderne Familienkultur. Die Rolle des Vaters als alleiniger Familienernährer, dem gerade mal die Zeit bleibt, seine Kinder zu Bett zu bringen, ist überholt.

Die Vorstellung, wie die Gesellschaft auf die Väter blickt und wie Väter sich selbst sehen, hat sich gewandelt. Jeder dritte junge Vater nimmt inzwischen nach der Geburt seiner Tochter oder seines Sohnes eine Auszeit vom Beruf. Diese neue Selbstverständlichkeit der Elternzeit bringt frischen Wind in die Arbeits- und Familienwelt. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) bezeichnet die neu gelebte, aktive Vaterschaft sogar als eine der wichtigsten gesellschaftlichen Veränderungen des 21. Jahrhunderts. Wer sind die aktiven Väter, die gerne auch als neue, involvierte oder moderne Väter bezeichnet werden. Wir haben vier Väter befragt, wie sich das Leben mit Kind verändert hat, wie sie das Leben mit Kind meistern.  

„Mit Kind wird das Leben von jetzt auf gleich anders. Einfach besonders“,  meint Stephan Rechel. Besonders war für ihn auch seine Elternzeit, die er mit seiner Frau und Sohn  Fredo in Australien verbrachte. Zwei Monate reisten sie in  einem Wohnmobil durch das Land. „Es war nicht so sehr die Entfernung oder das Land, sondern vielmehr die Situation, die diese Reise so besonders gemacht hat“, meint der 34-jährige Lehrer, der 24 Stunden, sieben Tage die Woche auf engstem Raum mit seinem Kind zusammen war. Die Freizeit verbringen die Eltern mit ihren Kindern Fredo, heute 3 Jahre alt, und Alva 8 Monate immer gemeinsam. „Wir gehen gerne schwimmen oder lümmeln auch einfach mal nur auf der Couch oder sind mit Laufrad und Kinderwagen unterwegs.“  Als Papa möchte Rechel für die Kinder da sein und an deren Leben auch im Alltag teilhaben und nicht nur dafür sorgen, dass  „gelebt“ wird. Das klassische Rollenverständnis sieht er in seiner Generation von Eltern aufgebrochen. „In der Organisation des Haushalts herrscht bei uns das Prinzip der Nützlichkeit. Ich koche zum Beispiel gerne. Und das was gemacht werden muss, muss eben gemacht werden.“

„Ich glaube schon, dass meine Eltern viel richtig gemacht haben. In der Woche habe ich zwar meinen Vater nicht so viel gesehen, aber an den Wochenenden war er mit mir viel unterwegs zu Fußballspielen. Er hat immer Sachen unterstützt, in denen ich gut war.“ Die Rückbetrachtung auf seine Kindheit fällt bei Stefan Schneider auch positiv aus. Der Krankenkassenbetriebswirt lebt als  alleinerziehender Vater mit seinem Sohn Etienne (13) in einer „Männer-WG“. Eigene Arbeitszeiten, Schulzeiten des Sohnes unter einen Hut zu bringen, Alltag zu leben und bewältigen, sind Herausforderungen. Doch hier hat Schneider Unterstützung durch die Familie und einen Arbeitgeber, der durch flexible Arbeitszeiten das mitträgt. „Ich glaube schon, dass mein Sohn erwachsener sein muss als andere Kinder. Aber wir haben ein sehr enges Verhältnis.“ Und so unternehmen sie auch viel gemeinsam, fahren mal nach Hamburg, gehen in die Therme oder laufen einfach mal zwei Stunden mit dem Hund um den See.

„Zehn Jahre lebten wir ohne Kinder. Und jetzt sind sie der Mittelpunkt, drum herum arrangiert sich das Familienleben.“ Wie bunt und lebhaft Familienleben ist, erlebt Oliver Baierl mit seinen vier Kindern jeden Tag. Das Leben als Vater betrachtet er als wesentlich bunter. Der Schauspieler am Theater Bielefeld hat andere Arbeitszeiten als andere Väter. Morgens Proben,  nachmittags frei,  abends Proben und Aufführungen, je nach Spielplan auch samstags und sonntags. „Doch dafür habe ich nach Premieren eine Woche Pause und wie meine Kinder habe ich die Sommerferien frei.“ Dann ist die Spielzeit vorüber. „Ein solcher Beruf braucht ein anderes Verständnis, aber meine Frau kennt das. Sie ist auch Schauspielerin. Sie fängt unheimlich viel auf und deichselt alles.“

Doch die Zeit neben dem Beruf gehört ganz seiner Familie. Die Ferien verbringen sie gerne in Dänemark, in Bielefeld sind sie auch viel draußen, fahren Fahrrad, machen Wanderungen oder spielen im Haus Tischtennis. Baierl selbst ist als Einzelkind aufgewachsen und findet es toll eine große Familie zu haben. „Es ist super, wenn es  gesellig bei Tisch zugeht.“ Das Leben mit Tochter Mathilda (12), Matheo (9) und den Zwillingen Martha und Mascha (6) sei vielschichtig, lebhaft, ja- und koste auch viel Kraft. Aber auch eine Innigkeit und Beziehung zu den Kindern, eine neue Form der Liebe habe er kennengelernt. „Mit einem Kind mussten wir nach einem Sturz ins Krankenhaus. Da geht einem schon die Klammer.“ Für seine Kinder möchte er Begleiter sein. Ihnen klar machen, dass er und seine Frau immer für sie da seien und sie selbst ihre Entscheidungen treffen können. So wie er es bei seinem Vater erlebt hat. „Der war toll. Er hat mir viel Verantwortung gegeben, aber hat mich immer machen lassen.“

„Meine Frau und  ich machen alles fifty-fifty. Unsere drei Kinder haben uns beide zu gleichen Teilen und das mache ich ohne Reue“, sagt Björn Süfke. Es geht bei ihnen genau paritätisch zu. Das Leben als Familie sei ein anderes Leben und er habe auch sämtliche Freizeitbeschäftigungen für eine Zeit bewusst aufgegeben. „Ich bin zu 50 Prozent für die Erziehungsarbeit zuständig. Und ich bin auch der, der im Alltag die Brote schmiert und die Hausaufgaben begleitet“, so der Bielefelder Psychologe.

Er, der auch in der Männerberatung tätig ist,  plädiert für mehr Selbstbewusstsein auf Seiten der Väter. In der Praxis kämpft der neue Vater noch um Raum und Anerkennung. Das merkt auch er selbst immer wieder: „Geht es um ein Geschenk für das Geburtstagskind werde nicht ich gefragt, sondern meine Frau.“ Die Elternzeit sieht er als ein wunderbares Instrument für die Männer, den Fuß in die Tür der Kindererziehung zu bekommen, um Kompetenz im Alltag zu beweisen. Füttern, wickeln, baden – alles kein Problem. Dazu müsse der Vater nicht „die Chefin“ rufen.

Für eine gelungene Elternschaft rät der Psychologe: 

Möglichst vor der Geburt sollten sich die angehenden Eltern über ihr Wunschbild im Alltag mit Kind austauschen. Das muss nicht zwingend deckungsgleich sein, aber es sollte klar sein, was Vater oder Mutter sich wünschen und dann später im Alltag auch reflektieren, ob es so läuft, wie sich beide das vorstellen.

Die Frauen sollten vermeiden, den Vater als Assistenten zu behandeln und die Männer wiederum sollten, wenn sie ein aktiver Vater sein wollen, sich nicht auf den Assistentenstatus zurückziehen – auch wenn der bequem sein kann.

Vater ist, was man(n) daraus macht!

                                                                                                             Susanne Esser